Projekt

QueuleuEines Nachmittags im August 2013 lief ich durch die Rue des Déportés (Metz, Queuleu). Plötzlich wurde ich auf das Straßenschild aufmerksam, und dachte: als plastische Künstlerin muss ich eine Idee finden, um diesem Schild leben zu verleihen. Das Zeitgeschehen erinnert uns regelmäßig daran, dass die Freiheit vieler Menschen bedroht ist, und oft sogar zunichte gemacht wird. Ich wollte mein Entsetzen durch eine starke Geste zum Ausdruck bringen.

Ein Mal pro Woche, ein Jahr lang, lasse ich mich neben diesem Straßenschild von derselben Fotografin, in derselben Pose, derselben Kleidung, fotografieren.

Das Kleid, auf jedem Bild, symbolisiert die Einzigartigkeit eines jeden Menschen, jeder Intimität, all der Leiden und Traüme in jedem Menschen. Diese Vielfalt, die uns eigen und unveräußerlich ist, ist die Essenz selbst des menschlichen Wesens. Hier: eine Frau gegenüber die Logik der Vernichtung Das Kleid, das den winterlichen Bedingungen nicht anpasst, zeigt wie die Deportation die Bedürfnisse des Individuums missachtet, ja sogar mit Füssen tritt, um das menschliche Wesen zu leugnen, zu erdrücken, zu vernichten.

Diese Fotos wurden 70 Jahre nach der verhängnisvollen Zeit von Inhaftierung vor der Deportation gemacht. Die sich folgenden Jahreszeiten veroffenbaren die Härte der Internierung und der Foltern, im Fort Queuleu sowie den anderen Gefängnissen und Lager.

Meine Haare habe ich am ersten Tag kahl geschoren. Sie wachsen wieder, Symbol von Hoffnung, Wiederaufbau und Lebenskraft, auch in Zusammenhang mit dem wiederkehrenden Alltag nach der Massenvernichtung und trotz Millionen Toter.

Mit dieser Ausstellung möchte ich diesem herkömmlichen Straßenschild vor dem Fort Queuleu in diesem malerischen Viertel Leben verleihen, mein Teil zur Gedächtnisarbeit leisten, nicht nur die Deportierten des Zweiten Weltkrieges (Widerstandskämpfer, Juden, Homosexuelle, Kommunisten, Zigeuner, Künstler ) betreffend, aber auch die Verbrechen gegen die Menschlichkeit die Heute noch auf der ganzen Welt passieren.

Ich möchte auch alle Toten, Gedemütigten, Geopferten ehren, sowie die letzten Überlebenden.

Angélique BÈGUE

Text : Annick MONNIER
Übersetzung : CERD

© 2019 Annick MONNIER